Hoch über Oberammergau erhebt sich der Laber. Für Wanderer ist er ein Aussichtspunkt. Für Historiker ist er ein Ort mit Schatten.
Im Oktober 1943 verlagerte die Messerschmitt AG Teile ihrer Entwicklungsabteilung nach Oberammergau. Unter der Tarnbezeichnung „Oberbayerische Forschungsanstalt“ entstand in der damaligen Conrad-von-Hötzendorf-Kaserne ein geheimes Zentrum für Flugzeugentwicklung.
Zeitweise arbeiteten dort über 2000 Ingenieure, Techniker und Zwangsarbeiter. Südlich der Anlage wurde unter dem Decknamen „Cerusit“ ein unterirdisches Stollensystem in den Fels getrieben. Offiziell diente es dem Luftschutz. Inoffiziell sollte es Forschung und Produktion vor alliierten Bomben schützen.
Alte Baupläne sprechen von Betonkammern, belüfteten Schächten und Versorgungstunneln. Einige führen angeblich direkt in den Laber hinein. Nicht alle Eingänge sind heute kartiert.
In Oberammergau entstand eines der ambitioniertesten Projekte der späten Kriegsjahre: die Messerschmitt P.1101.
Ein experimenteller Düsenjäger mit verstellbaren Tragflächen – seiner Zeit technisch voraus. Berichten zufolge wurde an einzelnen Komponenten in abgeschirmten Hallen gearbeitet, während draußen die Dorfbevölkerung kaum wusste, was sich hinter den Kasernenmauern verbarg.
Als amerikanische Truppen im April 1945 einrückten, fanden sie halbfertige Prototypen, zerlegte Rumpfsegmente und umfangreiche Konstruktionsunterlagen. Teile davon wurden in die USA gebracht.
Offiziell wurden die Stollen nach dem Krieg gesichert oder verfüllt. Später nutzte die NATO das Gelände.
Doch Wanderer berichten bis heute von:
– verschlossenen Betontüren im Wald
– metallischem Hall unter den Füßen
– kalter Zugluft aus unscheinbaren Felsspalten
Ein Förster erzählte 1998, er habe bei einer Nachtkontrolle ein tiefes Dröhnen aus dem Berg gehört – rhythmisch, maschinell, unmöglich natürlich.
Andere sprechen von Lichtblitzen im Inneren, als würde irgendwo unter dem Laber noch immer Strom fließen.
Historisch belegt ist: Messerschmitt nutzte Oberammergau als Forschungsstandort. Es existierten unterirdische Anlagen. Es wurde an revolutionären Flugzeugtypen gearbeitet.
Nicht vollständig dokumentiert ist: Wie weit die Stollen tatsächlich in den Laber hineinreichen. Ob alle Bereiche nach 1945 geöffnet wurden. Und was möglicherweise kurz vor Kriegsende noch versteckt oder versiegelt wurde.
Manche sagen: Der Berg wurde nie vollständig geöffnet.