DIE HEXENPROZESSE IM WERDENFELSER LAND


1589–1591: Als die Feuer brannten

Zwischen 1589 und 1591 erlebte die Grafschaft Werdenfels – mit Garmisch, Partenkirchen und Mittenwald – eine der heftigsten Hexenverfolgungen im süddeutschen Raum.

Innerhalb weniger Jahre wurden rund 50 Menschen hingerichtet, die Mehrheit Frauen. Über 120 Personen gerieten unter Verdacht. Die Prozesse erfassten ganze Dorfgemeinschaften.


Ursula Klöck und die Welle der Anschuldigungen

Eine der namentlich überlieferten Frauen war Ursula Klöck aus Obergrainau. Sie wurde 1589 verhaftet.

Die Anschuldigungen lauteten: Verursachung von Unwettern, Krankheit bei Vieh, Teilnahme an nächtlichen Zusammenkünften.

Unter der sogenannten „peinlichen Befragung“ wurde ein Geständnis erzwungen. Solche Verhöre konnten sich über Tage ziehen.


Verhör einer Angeklagten, Holzschnitt

Die Foltermethoden

Dokumente aus der Zeit berichten von:

– Streckbank (Auseinanderziehen der Gliedmaßen)
– Aufziehen mit Seilen an den Handgelenken
– Schlafentzug über mehrere Nächte
– Androhung weiterer „verschärfter Befragung“

Ziel war nicht Wahrheitsfindung, sondern das Erzwingen eines Geständnisses. Nach dem Geständnis mussten oft weitere Namen genannt werden. So wuchs die Liste der Beschuldigten immer weiter.


Der Pfleger Caspar Poißl

Unter dem neu eingesetzten Pfleger Caspar Poißl von Atzenzell intensivierten sich die Verfahren. Die Obrigkeit reagierte auf Gerüchte, Missernten, Krankheiten und Aberglauben.

Die Bevölkerung lebte in einer Zeit von Pestangst, wirtschaftlicher Unsicherheit und religiösem Fanatismus. Ein Blitzschlag genügte, um Verdacht auf eine Nachbarin zu lenken.


Die Hinrichtungen

Mehrere dokumentierte Hinrichtungen fanden 1590 statt. Die Verurteilten wurden meist enthauptet und anschließend verbrannt – oder direkt auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.

Die Feuer brannten sichtbar für das ganze Tal. Abschreckung war Teil der Inszenierung.

Chroniken berichten von öffentlichen Plätzen, von Zuschauern, von Predigten über Sünde und Reinigung.


Was bleibt

Historiker zählen heute rund 51 bestätigte Todesurteile in der kurzen Welle der Verfolgung. Danach ebbten die Prozesse ab.

Warum sie plötzlich endeten, ist nicht vollständig geklärt. Manche sprechen von politischem Druck, andere von finanzieller Überlastung durch die kostspieligen Verfahren.

In lokalen Überlieferungen heißt es, dass an bestimmten Waldstücken selbst im Sommer eine eigentümliche Stille herrscht.


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